Gedichte
Entchen
An gewissen trostlosen Tagen, wenn der Dämon der Niedergeschlagenheit umher schleicht, tue ich kindisch und schreibe Gedichte. Diese Kinderlach- und -trostgedichte und andere ausgesetzte Texte, die im Lauf der Zeit auf dem Gehirnstrom vorüber geschwommen sind, nenne ich Entchen. Hin und wieder will ich eines von ihnen herausfischen und den Leserinnen und Lesern in die Badewanne setzen, damit sie's auf dem Schirm haben, wenn’s beliebt.
Wörlicht
Auf runder Insel ruht Rousseau
umzingelt von Natur und so.
Zu der zurück wir alle müssen,
der hellste Kopf bis zu den Füßen.
Ein Wölkchen lächelt in den Teich,
der spiegelt es zurück, und gleich
fühlt sich die Wolke nicht allein
in diesem schönen Sonnenschein.
Der Himmel blaut in seiner Pracht,
der junge Tag voll Freude lacht,
das Wörlicht strahlt in Wonne
aus grüner Herzen Sonne,
und der schöne Schein entsteht,
dass hier das Glück nicht baden geht.
Ninja Ludo in der Wüste
Ninja Ludo steigt vom Pferde
auf die heiße Wüstenerde.
Die Hitze glüht,
die Lüfte brennen,
und was da blüht,
muss man so nennen:
Ein Kaktus reckt sich
grün und fett,
sein Stachel stichelt
gar nicht nett.
Doch auf dem wüsten Wüstensand
zwei Schattenhöcker, allerhand,
erkennt der Ludo, tapfrer Mann,
wo er sich dankbar schützen kann
vor Sonnenglut und Wüstenhitze.
Das treibt den Ausritt auf die Spitze:
Als wollten ihn die Sinne necken
sieht Ninja Ludo mit Erschrecken:
Wie kann das sein, bei meiner Seel',
mein Pferd, das ist ja ein Kamel!
Der Hornissenstich
Da flog an mich,
Du glaubst es nich,
der wildeste Hornisserich
mit seinem bösen Stachelstich.
Das Aug‘ ward rot,
die Nase blass.
Oh große Not,
wohin führt das?
Das führt zu der Moral:
Du sollst auf keinen Fall,
dem Horninest zumal,
ach, ist ja auch egal.
Ohrwurm
Es war einmal ein Ohrwurm,
der stieg auf einen Bohrturm
und guckte in die Ferne:
Da sah er ne Laterne.
Dann stieg er wieder runter
und trieb es immer bunter.
Er bohrte keck und kecker
ganz wie von Black & Decker.
Der kleine Ritter
Es war einmal ein kleiner Ritter,
der liebte Schokolade Bitter.
Doch liebte er auch eine Maid.
Für sie war er sehr gern bereit,
die Tafel ohne großes Rechnen
in gleiche Teile zu zerbrechnen.
Die Maid zwar liebte ihn nicht wieder,
doch ließ die Schokolade Bitter
sie nicht entgeh'n dem süßen Mündchen.
Der Ritter wollt' sich auch was wünschen.
Oh ach, die Maid hat Nein! gesprochen,
ihm ist vor Gram das Herz zerbrochen.
Und die Moral von dem Gedicht?
Teile oder teile nicht:
In beiden Fällen musst Du wissen,
dass Reime ungern Reime missen.
Und Lieb' will lieben - wirklich schade
um die Bitterschokolade.
Nischt
Die Schneckin ruft zum Schneckerich:
„Komm endlich langsam mal zu Tich!“
Vor Schreck vergisst der Schneckerisch
ganz blitzeschnell das s vom Tisch.
Und die Moral von der Gechischt?
Ganz langsam mal: Es gibt sie nischt.
Bärenbeeren
Der Himbär isst gern Teddybeeren,
dem Erdbär schmecken Eisbeeren gut.
Der Heidelbär pflückt Grizzlybeeren,
Braunbeeren machen Brombär Mut.
Der Hollunderbär liebt Waschbeeren arg –
– ist das nicht beerenstark?
Zum Kuckuck
Für Emil
Der Kuckuck in der Kuckucksuhr
Ruft immer Kuckuck, Kuckuck nur.
Und wenn er das gerufen hat,
verschwindet er im Ziffernblatt.
Doch ist die Stunde wieder voll
erschallt aufs Neue und ganz toll:
Kuckuck, Kuckuck!
Ich frage mich: Noch wie viel mal
bereitet Kuckuck diese Qual?
So oft bis ich mir mit dem Schuh
verschaffe endlich wieder Ruh
durch einem Wurf. So ist mein Schwur.
Zum Kuckuck mit der Kuckucksuhr!
Nudelzahn
Die Badewanne ist eine Wanne zum Baden,
und das Wannenbad ein Bad in der Wanne.
Der Gewittersturm ist der Sturm im Gewitter,
und das Sturmgewitter das Gewitter im Sturm.
Die Milchflasche ist die Flasche für die Milch,
und die Flaschenmilch die Milch in der Flasche.
Der Tannenbaum ist eine Tanne von Baum,
und die Baumtanne ein Baum als Tanne.
Der Tantenonkel ist der Onkel von der Tante,
und die Onkeltante die Tante vom Onkel.
Der Regenwurm ist der Wurm im Regen,
und der Wurmregen ein Regen mit Würmern.
Die Zahnpasta ist die Nudel für den Zahn,
und der Pastazahn der Zahn für die Nudel.
Erschrockenes Gespenst
Um Mitternacht zur vollen Stunde
dreht das Gespenst allein die Runde.
Verlassen zieht es stumm und weiß
seinen Schreckgespensterkreis.
Und weil das so gespenstisch ist
erschrickt es vor sich selbst mit List,
Mist.
Im Zoo, also
...gibt’s viele Tiere:
Giraffe, Löwe, Bär und Floh,
die von sich strecken alle viere.
Nur dass der Floh womöglich glatt
mehr als vier Beine bei sich hat.
Floh ist sehr froh,
man sieht ihn nicht,
niemand erkennt ihn am Gesicht,
den Floh, oho, im Zoo, also...
Der Purzeltraum
Ein Purzelbaum, man glaubt es kaum,
hat einen wunderschönen Traum:
Ihm träumt von einem großen Wald
aus lauter Purzeln, dick und alt.
Die Purzel bäumen sich empor
und wachsen – wachsen wie im Chor.
Tief unten auf den Stammesknien
reiten Purzelkinder hin.
Sie schlagen ihre Purzelbäume
bis Holz auf Hölzern lustig kracht,
und purzeln durch die Purzelträume
so laut, dass Purzelbaum erwacht.
Krokus, schüchtern
Für Più
Ein gelber Krokus zart und fein
blüht auf der grünen Wiese,
und er blüht da nicht allein,
da wächst noch anderes Gemüse.
Blau, rot, weiß und kunterbunt
geht es auf der Wiese rund.
Alle spitzen ihre Köpfchen,
zeigen stolz das Blütenröckchen.
Der zarte, feine gelbe Krokus
aber macht viel Hokuspokus
und versteckt sich äußerst neckisch
unter einem grünen Teppich
aus kurzem winterfestem Gras,
vom getauten Schnee noch nass.
Sein Gelb doch reichlich sehr verschmitzt
knapp durch den grünen Teppich litzt,
so dass das andere Gemüse
es für schüchtern hält, das Süße.
„Komm, lasse dich mal ganz beschauen,
du musst dich doch auch was trauen!“
So rufen alle Krokusinen
dem Krokusinchen fröhlich zu.
„Ich warte nur noch auf die Bienen,
dann sprieße ich, juhuu, juhuu.“
So geht es auf der Krokuswiese
lustig scherzend hin und her
bis auch der gelben Krokusliese
das lange Warten fällt zu schwer.
Sie schiebt die sanfte, junge Blüte
ein Stückchen weiter durch das Grün.
Was andres kommt nicht in die Tüte:
„Passt auf, ich wird’ jetzt ungestüm!“
Schlaf schön
Das Mü-D ist oft müde,
sonst hieß es ja nicht so;
sonst hieß es vielleicht W und ach
und läg’ vor lauter Kummer wach.
Das Mü-D liebt das Kana-P.
Was ist dafür der Grund?
Das Kana-P ist auch müde,
so müde wie ein Hund.
Das Mü-D und das Kana-P
die halten Mittagsschlaf,
dann schlafen sie die ganze Nacht
und sind am nächsten Morgen baff,
dass Schlaf so müde macht.
Das Mü-D fühlt sich ganz kaputt,
dem Kana-P geht’s auch nicht gut.
So grübeln sie mit ganzem Mut,
was man in diesem Fall wohl tut.
Ein Schläfchen! Rät das Mü-D.
Ein Nickerchen, nickt Kana-P.
Ein Schlummer, schlagen dann im Chor
die beiden rasch einander vor.
Die Augen fallen ihnen zu,
nun ist buchstäblich wieder Ruh’.
Wetterbericht
Ob der Regen pladdert
oder die Hitze knattert,
ob der Himmel weint
oder die Sonne scheint:
Wenn die Laune launt
und der Ärger raunt,
wenn die Luft dick ist
und der Streit schick ist -
ist das Wetter zum Wettern.
Ob nun der Regen pladdert
und der Himmel weint,
oder die Hitze knattert
und die Sonne scheint:
Wenn es dir fröhlich geht
und alles zum Besten steht,
wenn du niemand bös’ bist
und dir niemand bös’ ist -
soll das Wetter nur wettern!
Zahnweh-Alphabet
Das A, das B und auch das C,
die hatten alle drei Zahnweh.
Das D, das E mitsamt dem F
verspotteten mit viel Gekläff
das dreimal schlimme Zähneweh
vom A, vom B und auch vom C.
G und H, I und J
lachten sich darüber tot.
K, L, M, N, O, P, Q
schauten schweigend dabei zu.
R, S, T, U, V, oh W
trösteten A, B und C.
Danach brachten nett
X, Y und Z,
die letzten drei,
die ersten drei,
A, B und C, ins Bett.